Prof.Dr.Dr.h.c.mult. Herbert Pilch 1927.02.13-2018.04.19

Trauerfeier Freitag 27. im Ökonomischen Gemeindezentrum Stegen, Dorfplatz 14

Am Donnerstag, den 19. April zwischen 7 und 8 Uhr morgens verstarb mein Vater in seinem Pflegebett im Wohnzimmer seines Hauses in Anwesenheit von meiner Mutter und mir.

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Erlösung am 19. April im Wohnzimmer

Am Donnerstag, den 19. April zwischen 7 und 8 Uhr morgens verstarb mein Vater in seinem Pflegebett im Wohnzimmer seines Hauses in Anwesenheit von meiner Mutter und mir. Ich war in den letzten Tagen bei ihm gewesen und hatte von Tag zu Tag voranschreitende Verschlechterungen seines Zustandes beklommen zur Kenntnis genommen und die drei mal täglich kommenden geduldigen Pfleger der Firma ZAK unterstützt, die ein nahes Ende erwarteten, aber der Tod kam für mich dennoch überraschend wie ein Schlag in die Magengrube. Sein Leben war bis zuletzt sicherlich angenehmer als das vieler Sterbender, aber immerhin auch so unangenehm, so dass der Geschäftsführer von ZAK, der wenig später eintraf und ihn ein letztes Mal ansprach, um seiner wohl noch unter uns weilenden Seele ein Entweichen durch das Wohnzimmerfenster hin zum Schauinsland zu erleichtern, zu Recht von Erlösung und “entspanntem Einschlafen” sprach. Seit dem Vorabend konnten wir seine Äußerungen kaum noch verstehen, und davor hatte seine Realitätswahrnehmung schrittweise nachgelassen. Das Versagen anderer Körperfunktionen von den Extremitäten, besonders der Motorik, bis hin zu den inneren Organen war als langer schleichender Vorgang seit 20 Jahren vorangeschritten und sicherlich auch für das finale Versagen der lebenserhaltenden Funktionen verantwortlich, aber bis in sein 91stes Lebensjahr hinein konnte man sich noch gut mit ihm nicht nur über sein bewegtes Leben sondern über Fragen gegenwärtigen allgemeinen Interesses unterhalten, und er erzählte noch gelegentlich gerne Witze.

Lange Ankündigung verwirklicht

Zu seinem 70sten Geburtstag hatte mein Vater sich bei den Feiernden mit dem Mephisto-Spruch bedankt: “Und hat erst einer siebzig Jahre hinter sich gebracht, dann ist er schon so gut wie tot”, und versprochen, sein bestes tun zu wollen, um die Kollegen von der medizinischen Fakultät zu meiden und dem Finanzminister möglichst lange als gesunder Emeritus erhalten zu bleiben. Damals ging er noch in den Bergen wandern und auf den Meeren segeln, aber derlei Kräfte verließen ihn schon bald danach.

In seinen siebziger Jahren schrieb er noch ein Buch über die Geschichte der keltischen Sprachen und Literaturen. Dies verband er mit regelmäßigen Aufenthalten in den keltischen Regionen von der Bretagne bis Irland. Diese Aufenthalte waren ähnlich wie seine regelmäßigen Busfahrten zur Freiburger Universität ein Lebenselixier, das er sich aber aber wegen immer häufigerer Sturzunfälle versagen musste.

Die Möglichkeiten, wegbrechende physische Kontakte durch Computer und Internet zu ersetzen, um diverse Lebenselixiere länger aufrecht zu erhalten, mochte er leider nicht mehr nutzen. Was blieb, war Lektüre von Büchern und Zeitungen und das Fernsehen, das ihm früher ein Graus gewesen war, von dem er auch uns Kinder fern hielt. Als das Sehvermögen nachließ, wollte er auch diese Quelle nicht durch akustische Informationen ersetzen, die ja inzwischen in großer Fülle vorliegen und einem Phonetiker, der Sprachen stets primär als Klangzeichensysteme verstand, nahe lagen. Auch von den Apparaten und Methoden der Kollegen von der medizinischen Fakultät, die für bessere Diagnosen und vielleicht passendere medikamentöse Therapien hätte sorgen können, wollte er wiegesagt wenig wissen.

Stolz und Verpflichtung

Die meisten Freunde meines Vaters sind längst verstorben, und auch seine Schüler, von denen einige Professoren wurden, sind weitgehend aus dem Berufsleben ausgeschieden. Sein Adressbuch enthält viele Adressaten, die ihm vor 20-30 Jahren viel bedeuteten aber seitdem kaum mehr mit ihm in Kontakt standen und von denen wir teilweise nicht wissen, ob sie verzogen oder verstorben sein könnten. Wenn mein Vater vor 20 Jahren verstorben wäre, wäre die Beerdigung vermutlich 10 mal größer ausgefallen als wir es für diese Woche erwarten können. Umso wichtiger wird es, die Erinnerung an sein Leben und Schaffen zu pflegen.

Einen guten Überblick bildet der 1987 von seiner Schülerin Prof.Dr. Hildegard Tristram im Verlag Carl Winter zu seinem 60ten Geburtstag herausgegebene Festband “Sound, Sense and System”. In einem seiner dort gesammelten Artikel “Sprache als Spiel und Methode”, erscheint der kleine Hartmut als Lieferant von Beispielen für die spielerische Erforschung sprachlicher Systeme. Es sind trotz eingestreuter lateinischer und griechischer Aphorismen durchaus keine prätentiösen Texte. Es ging ihm im Gegenteil um die Lüftung prätentiöser Schleier. Er verstand es, unnötige Komplexitäten zu reduzieren und einfach, griffig, ja mitunter sogar witzig zu formulieren.

Seit er 1945 als 17-jähriger die Flucht seiner Familie aus Ostpreußen durchsetzte und organisierte, zeigte er eine Reihe von Tugenden und Talenten, die bereits in seiner Familientradition angelegt waren und ihm Erfolge bescherten und mit zahlreichen vielgefeierten Veröffentlichungen Spuren in der Wissenschaft hinterließen. Natürlich hinterlässt damit für uns Nachkommen noch viel mehr als für die Allgemeinheit ein prägendes Vorbild, das weiterleben soll und wird, wie ich ihm am Totenbett feierlich versicherte.

Trauerfeier in Stegen am Freitag

Die Trauerfeier findet am Freitag, den 27. April im Ökumenischen Gemeindezentrum Stegen statt. Da es eine Erdbestattung ist, sind Kränze nicht fehl am Platz, aber ihm wären sicherlich Spenden an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, die er zu Lebzeiten stets unterstützte, viel lieber als eine Kränzeinflation.

Gedenken auch an Onkel Carl-Ludwig

Mit einer solchen Spende kann man auch seinem Schwager und meinem Onkel Carl-Ludwig Harms eine Ehre erweisen. Onkel Carl-Ludwig, Bruder meiner Mutter und passionierter Ingenieur und Entwicklungsleiter eines mittelständischen Unternehmens, war noch ein passionierterer und professionellerer Segler als mein Vater. Er verschwand gegen Ende letzten Jahres mit 75 Jahren beim Segeln mitsamt seinem Boot, wobei der Verdacht eher auf Piraten als auf eigenes Unvermögen fällt. Unwetter, die ihn in Schwierigkeiten bringen konnten, sind aus dem Gebiet und Zeitraum nicht bekannt.

ostergloeckchen
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© 2018-04-24 Hartmut PILCH